Israel
Funde aus der Zeit des salomonischen Tempels
Manche israelische Archäologen und Intellektuelle werfen der Regierung und der Antikenbehörde vor, der Zerstörung des Tempelbergs tatenlos zu zusehen. Die Funde seien zufällig zwischen den Gabelzähnen eines Bulldozers gemacht worden und sollten nun vom eigentlichen Geschehen ablenken. Die muslimische Stiftung, die die Aufsicht über den Tempelberg hat, lässt Bauarbeiten durchführen und traktiert den geschichtsträchtigen Boden seit langem mit schwerem Gerät. Zeugnisse der jüdischen Geschichte würden – so die Befürchtung – für eine Ausweitung der muslimischen Gebetsstätten unwiederbringlich zerstört.
Woher die Funde nun aber eindeutig stammen, bleibt unklar. Die Arbeiten wurden an der südöstlichen Ecke der Plattform, auf der der Felsendom errichtet ist, durchgeführt. Der Tempel des Salomo lag aber, so glaubt Wolfgang Zwickel von der Universität Mainz, aufgrund des unebenen Terrains nördlich des Felsendoms. Der Professor für Biblische Archäologie gibt zu bedenken, dass die Funde aus dem Tempel, dem angrenzenden Palast oder von umliegenden Arbeiterhütten stammen könnten. Nur eines ist sicher – sie belegen Aktivitäten auf dem Tempelberg im frühen 1. Jahrtausend v. Chr.
Den ersten jüdischen Tempel ließ der Legende nach König Salomo im 10. Jahrhundert v. Chr. auf dem Tempelberg errichten. Bislang fehlt jedoch ein eindeutiger Beweis dafür, dass es das Gotteshaus tatsächlich gab. Nachdem die Babylonier im 6. Jahrhundert den Tempel vernichtet hatten, wurde er wieder aufgebaut und unter Herodes erweitert. Schließlich zerstörten ihn die Römer im Jahre 70 n. Chr. Die Klagemauer, das wichtigste Heiligtum der Juden, gilt als der einzig erhaltene Teil des herodianischen Tempels.
Miriam Müller





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