Lang streckt sich der Bodensee in eine eiszeitliche Mulde des Alpenvorlands. 571,5 QuadratkilometerWasserfläche, im Obersee bis 254 Meter tief, nach Nordwesten in den flacheren Untersee bei Konstanz und den Überlinger See auslaufend – kein Wunder, dass der Volksmund Deutschlands größten Binnensee auch das "schwäbische Meer" nennt. Wer hier Ferien macht, genießt landschaftliche Schönheit und Wassersportmöglichkeiten. Wer hingegen ein Ziel jenseits des Sees ansteuert, dem ist das Gewässer ein Verkehrshindernis, das meist zeitaufwendig auf Bundesstraßen umrundet werden muss.

Das war nicht immer so. Von einer Anhöhe des Überlinger Sees blicke ich hinunter auf die schimmernde Wasseroberfläche und beobachte Segelboote. In der Ferne kreuzen Autofähren zwischen Konstanz und Meersburg. Welcher Anblick hätte sich mir wohl in der Vergangenheit geboten?

Der Bodensee im Mittelalter: Segel über Segel, nicht so elegant wie bei heutigen Freizeitbooten, sondern rechteckig. Gut geeignet, um vor dem Wind zu segeln, ungeeignet jedoch für das Kreuzen dagegen. Flachbodige Holzschiffe befördern eine Vielzahl von Waren. Legt dort unten nicht gerade ein kleiner Segler ab? Vielleicht transportiert er Korn von den umliegenden Ländereien nach Rorschach und weiter rheinaufwärts bis nach Chur in Graubünden? Aus Richtung Schaffhausen hält ein anderes Schiff auf den Ort zu, der seit 1180 das Marktrecht hat. Der hölzerne Rumpf könnte Produkte aus Schweizer Anbaugebieten bergen. Der Wind steht heute aber nicht günstig für dieses Schiff, die Besatzung hat bereits zu den Rudern gegriffen.

Nicht Verkehrshindernis ist der See, sondern Drehscheibe für den lokalen Gütertransport wie auch für den Fernhandel. Wer es eilig hat, der vertraut seine Waren Schiffern an, statt den mühsameren Wegen und schlechten Landstraßen zu folgen. Auf dem Wasser kommt man allemal schneller voran, zudem vermögen Boote mehr Ladung zu tragen als Menschen oder Ochsenkarren. An diesem Zustand wird sich f