Als die Ausgräber im Juni 1996 am Fuße des Glauberges in Hessen die lebensgroße Sandsteinstatue eines Keltenfürsten zutage förderten (Spektrum der Wissenschaft 05/2002, S. 96), hatte die Keltenforschung ihre größte Sensation, seit 1978/79 das ungestörte und reich mit Beigaben versehene "Fürstengrab" von Hochdorf in Württemberg aufgedeckt worden war. Spätestens mit der damals folgenden Wanderausstellung nahm das allgemeine Interesse an "den Kelten" einen rasanten und bis heute ungebrochenen Aufschwung. Die Zahl der Museumsbesucher und der Veröffentlichungen steigt; die populäre Literatur treibt die kuriosesten Blüten. Material über die Hinterlassenschaften und Gebräuche ist reichlich vorhanden; in dem vorliegenden Werk wird es aus archäologischer Sicht überregional zusammengefasst.

Das Buch besteht aus zwei ungefähr gleich großen Teilen. Im ersten fasst Sabine Rieckhoff, Professorin für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Leipzig und zuvor lange in Süddeutschland in der Denkmalpflege tätig, auf mehr als 260 Seiten den aktuellen Forschungsstand zur Geschichte und Kultur der Kelten zusammen. Die Kelten, so die Autorin, waren mangels gemeinsamer Identität und politischen Bewusstseins zu keiner Zeit ein einheitliches Volk in einem einheitlichen Staatsgebilde, sondern ein Sammelsurium vielfältiger ethnischer Gruppen, die einerseits viele Gemeinsamkeiten über große Entfernungen, andererseits tief gehende Unterschiede auch unter engen Nachbarn aufwiesen. Mit dieser These geht Rieckhoff auf eine tour d’horizon durch sämtliche Bereiche keltischen Lebens zwischen dem 8. und 1. Jahrhundert v. Chr.: Wohnen und Arbeiten, Wirtschaft und Gesellschaft, Religion und Kunst, Tod und Nachleben.

Der zweite Teil des Buches führt alle wesentlichen heute noch in Deutschland sichtbaren Geländedenkmäler aus dieser Zeit auf. Koordiniert von Jörg Biel, dem Leiter der Archäologischen Denkmal-pflege des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg und seinerzeit verantwortlic